Kenza Ait Si Abbou

Interview mit Kenza Ait Si Abbou zum #LiT Event „Unconscious Bias und KI“


Kenza Ait Si Abbou Lyadini arbeitet als Senior Manager Robotics and Artificial Intelligence bei der Deutsche Telekom IT und managt den Bereich Robotic und AI-Solutions. Sie engagiert sich für Diversity und Female Empowerment im Netzwerk Women@Telekom. Bei der Telekom hat sie beispielsweise den ersten Hackathon für Frauen organisiert. Für ihr Engagement im Bereich AI und Diversity wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem #DFLA Award der Global Digital Women. In ihrem jüngst erschienen Buch „Keine Panik, ist nur Technik“ erklärt die Ingenieurin, weshalb man auf Algorithmen ziemlich gut tanzen kann – solange wir ihnen den Takt vorgeben. Kenza Ait Si Abbou Lyadini ist zu Gast in unserem Online-Talk-Format „Unconscious Bias und KI“ in Kooperation mit Oracle am 30. September. Zur kostenlosen Anmeldung


Laut unserer Studie in Kooperation mit Arthur D. Little liegt das Gesamtpotenzial durch den Einsatz von KI für deutsche Unternehmen 2025 bei rund 488 Mrd. Euro. Schon heute begegnen uns KI-basierte Technologien im Alltag beispielsweise in Sprach- und Gesichtserkennungssoftware im Smartphone, in der Interaktion mit Chat-Bots im Marketing oder Kundenservice oder als Bewerber im Recruiting-Prozess. Auf der anderen Seite existieren in der Gesellschaft auch Vorurteile gegenüber KI. Können Sie uns als KI-Expertin – auch für Laien verständlich – erklären, wie Algorithmen funktionieren und wie ich als Mensch und Unternehmen von ihrem Einsatz profitieren kann?

Kenza Ait Si Abbou Lyadini: Algorithmen sind einfache Handlungsanweisungen für die Maschine. Es ist eine Art Kochrezept, um ein bestimmtes Gericht vorzubereiten. Möchte ich zum Beispiel Couscous kochen, muss ich mehrere Schritte befolgen, verschiedene Zutaten verwenden, wissen welche Zutaten wie und mit welchen ich am besten kombinieren kann und ich muss die richtigen Utensilien haben etc. Algorithmen werden geschrieben, um irgendein Problem zu lösen oder eine Aufgabe zu erledigen. Sie können uns dabei helfen Vorgänge zu automatisieren (zum Beispiel Couscous jeden Tag zu kochen, ohne darüber nachdenken zu müssen), Entscheidungen zu treffen, basierend auf vielen Eingangsparametern (die richtigen Gewürze für das richtige Gericht) oder komplexe Aufgaben zu lösen.

KI-Technologien basieren also auf Algorithmen und Machine Learning. Wie gelangen dann überhaupt Unconscious Bias in KI-Anwendungen?

Abbou Lyadini: Die Maschinen lernen von uns, wie unsere Welt funktioniert, über die Daten, die wir Ihnen zur Verfügung stellen. Unsere Welt ist nun mal voller Vorurteile und die Vorurteile bringen wir den Maschinen bei. Wenn Menschen in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen haben, die mit Vorurteilen behaftet sind, wie zum Beispiel welche Kandidaten zu einer Stellenausschreibung am besten passen, dann wird die Maschine dies in Zukunft reproduzieren und das Vorurteil verstärken.

Welche Auswirkungen hat die Übertragung unserer unbewussten Vorurteile auf KI-basierte Systeme?

Abbou Lyadini: Indem die Maschinen unsere Vorurteile lernen, reproduzieren sie diese weiter. Aber im vielfachen Verhältnis, mit einer viel größeren Reichweite und viel schnelleren Geschwindigkeit als ein Mensch es tun würde. 


Welche ethischen Leitplanken und Maßnahmen braucht es aus Ihrer Sicht, um KI-Technologien zu etablieren, die Chancengleichheit fördern und allen Menschen dienen?

Abbou Lyadini: Die Auseinandersetzung mit den ethischen Aspekten und der Wunsch Chancengleichheit zu fördern, muss in der Design-Phase der KI-Anwendungen verankert sein. Es muss Teil der Mindest-Anforderungen sein und nicht nur ein „nice to have“ und es muss in der Qualitätssicherung der Applikationen Berücksichtigung finden. Aber damit das geschieht, muss die Unternehmensstrategie und müssen die Unternehmenswerte so geändert werden, dass kurzfristiger Profit nicht an erster Stelle steht. Die Unternehmen müssen ihre soziale Verantwortung ernst nehmen und diese in die Strategie verankern und umsetzen. Das im jährlichen Corporate-Social- Responsibility-Bericht zu schreiben ist nicht ausreichend.



Unter allen Teilnehmern unseres Online-Talk-Fomats „Unconscious Bias und KI“ verlosen wir drei Exemplare von „Keine Panik, ist nur Technik“ von Kenza Ait Si Abbou Lyadini, erschienen im Mai 2020 bei Gräfe und Unzer.




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eco Umfrage: Arbeit in Pandemiezeiten wird digitaler – Fast 75 Prozent der Beschäftigten spürt positive Effekte

  • 41,1 Prozent der Erwerbstätigen nutzen verstärkt digitale Technologien im Berufsalltag
  • Digitale Tools steigern Arbeitseffizienz (37,8 Prozent) und verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (30,5 Prozent)
  • Frauen und Männer bewerten Auswirkungen mitunter abweichend

41,1 Prozent der Erwerbstätigen setzen in der Corona-Krise verstärkt auf digitale Technologien und Tools, um ihren Arbeitsalltag zu bewältigen. Dies gilt insbesondere für junge Arbeitnehmer in Ausbildung (65,3 Prozent) und Berufstätige mit Hochschulabschluss (45,7 Prozent). Fast 75 Prozent der Beschäftigten verbinden mit der zunehmenden Digitalisierung ihres Berufsalltags klare Vorteile wie beispielsweise die Steigerung der Arbeitseffizienz oder die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nur jeder vierte Beschäftigte nimmt keine positiven Effekte wahr. So das Ergebnis einer Umfrage des eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey*, an der sich 2.500 Menschen in Deutschland Mitte August beteiligt haben.

Homeoffice ist effizienter und familienfreundlicher

37,8 Prozent der Befragten geben an, im Homeoffice und durch den Einsatz digitaler Tools effizienter zu sein als im ehemals klassischen Berufsalltag mit Büro und Kollegen. Positive Effekte auf die Effizienz am Arbeitsplatz attestieren 43,2 Prozent der Männer und 32,2 Prozent der Frauen. „Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung unserer Arbeitswelt einen  Schub verpasst. Während zu Beginn der Pandemie Ad-hoc-Lösungen beispielsweise für den Umzug ins Homeoffice gefunden werden mussten und mitunter auch Skepsis herrschte, ob Mitarbeiter im Homeoffice produktiv sind, zeigen die gesammelten Erfahrungen im New Normal jetzt ganz eindeutig, dass Remote Working sowohl für die Arbeitnehmer- wie die Arbeitgeberseite klare Vorteile mit sich bringt“, bestätigt Lucia Falkenberg, Chief People Officer und Kompetenzgruppenleiterin New Work beim eco Verband. Unternehmen seien gut beraten, diese positiven Erfahrungen auch in die Post-Corona-Zeit mitzunehmen und zeitnah langfristige Konzepte für mobiles Arbeiten und Hybrid-Lösungen zu schaffen. Auch auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat der erweiterte Einsatz digitaler Technologien spürbar positive Auswirkungen. 30,5 Prozent der Befragten sehen darin den größten Vorteil.

Männer und Frauen bewerten Auswirkungen mitunter abweichend

Familie und Beruf halten in der aktuellen Situation 33,1 Prozent der Männer und ein geringerer Anteil an Frauen (28 Prozent) für besser vereinbar. Eine positivere Work-Life-Balance empfinden 29,5 Prozent der männlichen und demgegenüber 17,5 Prozent der weiblichen Befragten. „Das Männer und Frauen diese Aspekte unterschiedlich wahrnehmen, liegt sicherlich auch darin begründet, dass der überwiegende Teil der Care-Arbeit häufig an Frauen hängen bleibt“, erklärt Falkenberg. Dieser Rückfall in tradierte Rollenmuster bürge für Unternehmen die Gefahr, das Potenzial ihrer weiblichen Talente zu verlieren. „Denken Sie als Arbeitgeber darüber nach, wie Sie insbesondere Eltern entlasten können – sei es durch hybride Arbeitsformen, Betreuungsangebote oder indem Sie Müttern und Vätern die Möglichkeit bieten, ihre Arbeitszeit flexibel zu gestalten“, rät Falkenberg. Unternehmen, die insbesondere Eltern in diesen herausfordernden Zeiten unterstützen, stärken ihren Arbeitnehmern damit nicht nur kurzfristig den Rücken, sondern auch die langfristige Bindung an das Unternehmen.

Motivation und Teamgeist aus Distanz stärken

In der aktuellen Situation arbeiten deutlich mehr Menschen von zu Hause. Dies erfordert nicht nur die Bereitstellung technischer Kommunikations-und Kollaborations-Tools, sondern auch die Initiierung weiterer Maßnahmen. Denn nur etwa jeder fünfte Beschäftigte (21,7 Prozent) nimmt eine Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit im Team wahr. In puncto Teamgeist, Jobzufriedenheit und Motivation sind auch die Führungskräfte gefragt. „Führung aus der Ferne braucht in erster Linie Vertrauen – und zwar auf beiden Seiten.“, sagt Falkenberg.

Download-Link: Grafik Umfrage 1
Grafik Umfrage 2

*Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. 2.536 Personen zwischen dem 14. August und dem 18. August 2020 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 3,1/4,9 Prozent.

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eco Studie: Gleichstellung von Frauen bringt Wettbewerbsvorteile

  • Weltweit ist nur ein Viertel der technischen Fachkräfte weiblich, in Europa nur ein Sechstel
  • eco Leitfaden „Women in Tech Across the Globe“ gibt Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Unternehmen mit einem hohen Maß an Geschlechterdiversität sind erfolgreicher. Frauen zu beschäftigen stellt einen großen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb dar, zeigt die eco Studie „Women in Tech Across the Globe: A Good Practice Guide for Companies“. Die 54-seitige englischsprachige Studie stellt eine Reihe konkreter Handlungsempfehlungen für Unternehmen jeder Größe zur Verfügung, die sie bei der Geschlechtergleichstellung unterstützen. Die Grundlage dieser Empfehlungen sind Fakten und Zahlen aus der globalen Wirtschaft. Ihren Schwerpunkt legt die Studie dabei auf sechs Länder, in denen der eco Verband tätig ist: Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Bulgarien, die Vereinigten Staaten und Indien. Von Land zu Land variiert der Anteil der in der IT beschäftigten Frauen stark – von 34 Prozent in Indien bis zu 16,6 Prozent in den Niederlanden.

„Auf jede Fachfrau, die in der Internetindustrie arbeitet, kommen derzeit weltweit drei Männer – in Europa sind es sogar fünf“, sagt Lucia Falkenberg, Chief People Officer (CPO) und Leiterin der Kompetenzgruppe New Work im eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. „Mit unserer Studie wollen wir dazu beitragen, dass die Internetwirtschaft als eine der innovativsten und fortschrittlichsten aller Branchen Geschlechterstereotypen eine Absage erteilt.“

Europa hinkt im Vergleich zu anderen Regionen hinterher

Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des eco Verbands ergänzt: „Als Vertreter der digitalen Welt spielen Unternehmen der Internetwirtschaft eine Vorreiterrolle bei der Überwindung des Geschlechtergefälles und der Förderung demokratischer Werte. Sie haben eine beispiellose Motivation, diese Herausforderung anzunehmen.“ Damit das gelingt, identifiziert die Studie fünf Hauptfaktoren, die für das Geschlechtergefälle verantwortlich sind: Stereotype in Bildung und Erziehung, ein Mangel an weiblichen Vorbildern und Frauen in Führungspositionen, eine männlich geprägte Arbeitskultur und eine digitale Skepsis, die in westlichen Industrieländern bei Frauen weitaus stärker ausgeprägt ist als bei Männern.

Konkrete Tipps für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Die Studie gibt auch zahlreiche Tipps, wie Unternehmen diese Sterotype überwinden und so mit diversen Teams ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Allein durch die Art und Weise, wie ein Arbeitsplatz beschrieben wird, lässt sich die Zahl der weiblichen Bewerber mehr als vervierfachen. Doch Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen ist auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Als Handlungsfelder identifiziert die Studie die Rekrutierung/den Wiedereinstieg von Frauen, die Bindung von Frauen durch eine neue Arbeitskultur, die Unterstützung von Frauen bei Aufstiegsmöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit Bildungsträgern zur Förderung weiblicher Nachwuchskräfte.

„Im Grunde genommen ist die Förderung von Frauen in der IT eine Aufgabe, die nicht weiter aufgeschoben werden kann“, sagt Oliver Süme. Im Jahr 2025 beispielsweise wird der Fachkräftemangel in der IT-Branche in Deutschland auf 625.000 und in Frankreich auf 520.000 geschätzt.* „Die Unternehmen müssen jetzt die Förderung von Frauen und Vielfalt zu einer obersten Priorität machen, denn die Gleichstellung der Geschlechter liegt in ihrem ureigensten wirtschaftlichen Interesse“, so das Fazit von Oliver Süme.

* Empirica, 2019

Download der Studie, 54-Seiten englischsprachig
Download deutschsprachige Management-Summary

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„Vorbilder und Sichtbarkeit sind das A und O“

Heterogene Teams fördern Innovationen und sorgen für mehr Qualität und Leistung. Davon ist Lucia Falkenberg, eco Chief People Officer, überzeugt. Zudem benötigt die Internetwirtschaft dringend weitere Fachkräfte. Im Interview erläutert Falkenberg, wie mehr Frauen für die Branche gewonnen werden können.


Frau Falkenberg, eco hat jüngst eine Studie zu den Arbeits- und Rahmenbedingungen von Frauen in der Internetwirtschaft veröffentlicht. Warum braucht die Internetwirtschaft denn ganz konkret mehr weibliche Fach- und Führungskräfte?

Wir können es uns schlichtweg nicht länger leisten, auf eine Generation hochqualifizierter Frauen zu verzichten, sondern müssen dieses Potenzial jetzt nutzen. Um es mit Kurt Tucholsky zu sagen: „Kein Erfolg ohne Frauen.“

Einerseits reift in immer mehr Unternehmen die Erkenntnis, dass heterogene Teams Innovationen fördern, die Qualität und Leistung steigern und durch die vielfältigen Perspektiven bessere Lösungen entwickeln. Andererseits boomt die Digitalbranche. Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Der Ruf nach weiblichen Kolleginnen wird in der gesamten Internetwirtschaft daher immer lauter.


Wie kann es Arbeitgebern der Branche denn gelingen Frauen für sich zu gewinnen?

Wichtige Hebel liegen vor allem im Bereich Personal: In unserer Studie „Frauen in der Internetwirtschaft“, die kostenlos zum Download bereitsteht, finden sich viele konkrete Maßnahmen die vom Personalrekruiting bis hin zur Führungskräfteentwicklung reichen. Führungskräfte sind die wichtigsten Treiber von Diversity und einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen in Führungspositionen.

Vorbilder und Sichtbarkeit sind das A und O. Unternehmen sollten ihre weiblichen Fach- und Führungskräfte in der Kommunikation und Außendarstellung in die erste Reihe holen. Denn weibliche Vorbilder ziehen weitere Bewerberinnen an, agieren in Unternehmen als Mentorinnen für ihre Kolleginnen und wirken sich positiv auf das Unternehmensimage aus.

Gefragt sind jedoch nicht nur die Frauen selbst, sondern auch deren männliche Vorgesetzte und Kollegen. Sie müssen Mitarbeiterinnen in ihren Talenten fördern, bei Beförderungen berücksichtigen und Rahmenbedingungen schaffen, die dazu beitragen, die Internetwirtschaft noch bunter und vielfältiger zu gestalten.


Was sind Ihre drei Top-Argumente für eine Karriere in der Internetbranche?

Da sind zunächst die vielfältigen und hervorragenden Karrierechancen zu nennen. In der IT-Branche werden nicht nur Programmierer und Entwickler, sondern auch beispielsweise Juristinnen im Bereich Datenschutz gesucht oder Expertinnen für Digitales Marketing und Contollerinnen, die schauen, dass die Zahlen stimmen.

In der Digitalwirtschaft entstehen zahlreiche neue Jobs und Berufsbilder wie beispielsweise der Chief Digital Officer oder der Chief Information Officer. Diese Stellen werden neugeschaffen und zugleich werden neue Abteilung gegründet. Das bedeutet, dass Frauen, wenn sie solche Positionen bekleiden, relativ schnell aufsteigen können.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die sehr gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch New-Work-Faktoren wie mobiles Arbeiten und vielfältige Arbeitszeitmodelle.


Vielen Dank für das Interview, Frau Falkenberg.

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Studie belegt: Frauen in der IT-Branche weiterhin unterrepräsentiert

  • Weltfrauentag am 8. März: eco veröffentlicht Studie „Frauen in der Internetwirtschaft“ in Kooperation mit dem Institut für Innovation und Technik (iit)
  • Frauenanteil in der IT-Branche in Deutschland mit 16 Prozent auch im internationalen Vergleich gering
  • eco fordert gesamtgesellschaftliches Engagement für mehr Frauen in der Internetbranche

„Das größte Potenzial, das Deutschland bisher brach liegen lässt, sind Mädchen und Frauen in der IT und Digitalwirtschaft“, so das Fazit von Oliver J. Süme, Vorstandsvorsitzender vom eco — Verband der Internetwirtschaft e. V., zum Weltfrauentag am 8. März. Aktuell fällt der Frauenanteil in der IT-Branche in Deutschland mit 16 Prozent eher gering aus.1 Um gegenzusteuern fordert eco das Engagement aller beteiligten Akteure, insbesondere von Unternehmen und Politik. Dieses und weitere Ergebnisse zur Situation von Frauen in der Internetwirtschaft finden sich in der Studie „Rahmen- und Arbeitsbedingungen für Frauen in der Internetwirtschaft“, die eco heute in Kooperation mit dem Institut für Innovation und Technik Berlin (iit) veröffentlicht hat. Neben der Betrachtung des Status quo und der Beleuchtung von Ursachen für den Gender Gap in der Digitalwirtschaft enthält die Kurz-Studie vor allem praxisnahe Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber und Politik.

„Unternehmen müssen die Förderung von Frauen und Diversity jetzt zur Chefsache machen, denn die Gleichstellung der Geschlechter liegt in ihrem tiefsten wirtschaftlichen Interesse“, so Süme. Als digitaler Branchenverband wolle eco, der in diesem Jahr unter dem Motto „25 Jahre Netz mit Verantwortung“ Jubiläum feiert, Unternehmen und Politik für das Thema Frauenförderung in der Internetwirtschaft sensibilisieren und einen Austausch über gemeinsame Konzepte anstoßen. Führungskräfte seien die wichtigsten Treiber von Diversity und der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen in Führungspositionen. In Richtung Politik appelliere er vor allem, das Gründer-Ökosystem schnellstmöglich frauenfreundlicher zu gestalten und Bildungsangebote zu schaffen, die Stereotypen entgegenwirken und Mädchen schon früh für Digitalisierung und IT begeistern.

Die IT-Branche muss weiblicher werden

Auf offene Positionen für Programmierer und IT-Experten sind je nach Position nur rund 10 bis 20 Prozent der Bewerber weiblich. Besser sieht es auch im Bereich Gründungen nicht aus. An der Gründung von innovativen Startups mit vorwiegend digitalen Geschäftsmodellen in Deutschland sind nur 15,7 Prozent Frauen in Gründungsteams beteiligt.2 Dabei boomt die Digitalbranche, täglich entstehen neue Jobs und Geschäftsmodelle. Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte mit digitalem Know-how. „Kein Arbeitgeber kann es sich erlauben, auf weibliche Fach- und Führungskräfte zu verzichten. In der männerdominierten IT-Welt wird daher der Ruf nach mehr Kolleginnen immer lauter“, weiß Lucia Falkenberg, Chief People Officer beim eco und dem Internet-Knoten-Betreiber DE-CIX. Hinzu komme der Umstand, dass in immer mehr Unternehmen und Führungsetagen die Erkenntnis reife, dass gemischte Teams die Innovationskraft nachweislich fördern, Qualität und Leistung steigern und somit auch einen monetären Mehrwert ausmachen.

Politik muss Bildung und Gründerinnen stärker fördern

Die Autoren der Studie sehen unter anderem die Stärkung weiblicher Netzwerke, spezieller Mentoren-Programme, Diversity-Trainings für Führungskräfte und Vorgesetzte und Unternehmenskulturen, die Diversity bewusst fördern, als Voraussetzung, um zukünftig mehr Frauen für die Branche zu gewinnen. Mitunter hafte der Internetbranche zudem ein männerdominiertes Image an, das hinderlich sei. „Arbeitgeber sind gut beraten, ihre weiblichen Role Models in der Außendarstellung in die erste Reihe zu holen: sei es als Referentin bei Messen und Veranstaltungen, in den Veröffentlichungen der Unternehmenskommunikation oder im Employer Branding“, weiß Falkenberg aus Erfahrung.

Weitere Potenziale liegen in der Personalgewinnung, -bindung und -entwicklung. „Wer im Wettstreit weibliche Talente für sich gewinnen will, der sollte die Zielgruppe bereits in der Bewerber-Ansprache gezielt abholen und beispielsweise Benefits zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf klar in den Vordergrund stellen, Teams divers besetzen und seine Führungskräfte intensiv darin schulen wie sie aus heterogenen Menschen ein erfolgreiches Team formen“, rät Falkenberg. Damit Frauen sich die vielfältigen Karriereperspektiven und Jobchancen der Internetwirtschaft nicht entgehen lassen, sei darüber hinaus die Politik gefragt. Anzugehen seien vor allem Bildungsangebote und Initiativen, die bereits Mädchen und junge Frauen für Digitalisierung und IT begeistern. Auch beim Thema Gründungen sind Frauen unterrepräsentiert. Abhilfe kann die Förderung spezieller Wettbewerbe für Gründerinnen, die Bereitstellung von Coachingangeboten und Leitfäden zur Ansprache von Investoren oder Verhandlungen mit Banken für Gründerinnen oder die Stärkung der medialen Berichterstattung über Female Entrepreneurship schaffen.

1 Anteil der weiblichen Angestellten in der IT-Branche absolut und prozentual für ausgewählte Länder (Quellen für Female Tech Workforce EU-Länder: Eurostat 2019a) Eurostat (2019a): Online verfügbar unter https://appsso.euros- tat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=isoc_sks_itsps&lang=en (letzter Zugriff 27.02.2020)
Bundesverband Deutsche Startups e.V. 2019, Bundesverband Deutsche Startups e. V. (2019): FFM – Female Founders Monitor. Online verfügbar unter https://deutscher- startupmonitor.de/fileadmin/ffm/ffm_2019/studie_ffm_2019. pdf (letzter Zugriff 28.08.2019)

Interessierte Journalisten können die vollständige Studie per E-Mail anfordern unter: hanna.vonderau(at)eco.de

Die Studie steht allen Interessierten zum Download zur Verfügung